Leitfaden zum Heilsbronner Modell

Kollegiale Beratung in zehn Schritten:

10 Schritte

Der Leitfaden

für eine Fallberatung führt die Gruppe Schritt für Schritt durch den gemeinsamen Prozess; sie arbeitet dabei ohne eine von außen kommende Leitung.
Die einzige Methode ist dabei die freie Aussprache:
mündlich face-to-face,
oder schriftlich als Online-Beratung.
Onlineräume für Kollegiale Beratung auf kokom.net unterstützen die Moderation beim schrittweisen Vorgehen.

1. Schritt: Startfähig?

  • Wenn Sie als Gruppe schon bestehen oder eine Gruppe fortsetzen, in der Sie bisher bereits gearbeitet haben:
    Dann wissen Sie in der Regel aus der letzten Gruppe, wer diesmal seinen/ihren Fall ("Fallgeber") vorbringen wird und wer die Leitung ("Moderator") hat.
    Der Moderator bittet den Fallgeber auf, seinen Fall im nachfolgenden zweiten Schrittvorzutragen.
    (mit Klick auf "Schritt abschließen" eröffnet er den zweiten Schritt.)
  • Wenn Sie gerade eine Gruppe gebildet haben:
    Sie haben sich dazu entschlossen als Gruppe zu arbeiten, der Fallgeber hat zur Gruppenbildung eingeladen und steht somit bereits fest. Das zweite im Fallberatungsraum angemeldete Mitglied ist Moderator. (Falls nötig, kann diese Rolle auch einem anderen Mitglied im Beratungsraum übergeben werden.)
    Der Moderator fordert danach den Fallgeber zum zweiten Schritt auf und bittet ihn dort seinen Fall vorzutragen. (Klick auf "Schritt abschließen")

Zeitmanagement:
Wenn jede/r TeilnehmerIn mindestens einmal am Tag mitarbeitet, ist der Fall in ca. 10 Tagen bearbeitet  (- keinesfalls länger als drei Wochen.)
Als FallgeberIn:
Teilen Sie der Gruppe mit, in wievielen Tagen Sie Ihren Fall bearbeiten möchten.
Als BeraterIn:
Teilen Sie der Gruppe mit, ob Sie sich auf diesen Zeitrahmen einlassen.

Zeitraum bei einer Fallberatung vor Ort,
'face-to-face': 5 - 10 Minuten

Regel:
Die Leitung wechselt nach jedem besprochenen Fall.

2. Schritt: Vortragen der Problemsituation

Der Fall wird vorgestellt, der Fallgeber versucht das Problem so gut wie möglich zu fokussieren.

Der Moderator leitet zum nächsten Schritt über, wenn er sich beim Fallgeber vergewissert hat, dass der Fall vorgestellt ist!

Zeitraum bei
'face-to-face': 10 Minuten

Regel:
Die Berater folgen aufmerksam und konzentriert dem Bericht und achten z.B. auf die Wortwahl, Schreibstil, Reihenfolge der Informationen, sowie auf Empfindungen oder Assoziationen, die der Bericht bei ihnen ausgelöst hat, lesen auch 'zwischen den Zeilen'.
In diesem Schritt schreibt nur der Fallgeber. 

3. Schritt: Nachfragen

Jetzt sind die Berater an der Reihe und stellen Informations- und Verständnisfragen an den Fallgeber. Nicht alle müssen Informations – und Verständnisfragen stellen! Teilen Sie bitte kurz mit, wenn Sie keine Frage haben. Diskutieren Sie hier nichts! Stellen Sie nur Rückfragen, die Ihnen helfen, den Fall besser zu verstehen und mischen Sie keine eigenen Vermutungen und Informationen an dieser Stelle mit hinein.

Der Moderator fordert den Fallgeber zur Beantwortung auf und leitet danach zum vierten Schritt weiter.

Regel: Es sind nur Informations- und Verständnisfragen erlaubt. Keine Diskussion, keine Vermutungen, Spekulationen etc.!

Zeitraum bei
'face-to-face': 5 Minuten

4. Schritt: Sammeln von Einfällen

Die Gruppe der Berater sammelt Assoziationen, Empfindungen, Phantasien, die die Situation bei ihr ausgelöst hat. Hilfreich ist es, eigenen Einfällen Raum zu geben.
Z. B. mit wem identifiziere ich mich am meisten, warum? Löst eine Information bei mir Ängste oder Freude aus? Habe ich mich gelangweilt oder bin ich abgeschweift, als ich den Fall las? Hat irgendetwas meine Phantasie angeregt? Habe ich Assoziationen, die scheinbar gar nichts mit dem Fall zu tun haben? usw.
Dies alles können Sie für den Fallgeber jetzt notieren, denn es könnte für ihn wichtig sein. Vermeiden Sie aber bitte alles nach dem Motto: "Das kenne ich schon, das habe ich auch schon erlebt." (dazu können Sie sich im 9. Schritt äußern!) Bleiben Sie beim Fall!

Der Moderator leitet zum nächsten Schritt weiter, wenn sich die Berater geäußert haben. Kurze Nachfrage bei den Beratern!

Regel: Der Fallgeber hält sich während dieser Phase ganz zurück. Er soll sich darauf konzentrieren alles aufzunehmen, was den Beratern zu seiner Situation einfällt und geht darauf erst im nächsten Schritt ein.

Zeitraum bei
'face-to-face': 10 Minuten

5. Schritt: Rückmeldung

Der Fallgeber sagt den Beratern, welche der Assoziationen ihm wichtig geworden sind (z.B. sind dadurch neue Perspektiven etc. ) und teilt dem Moderator mit, dass seine Rückmeldung beendet ist.

Der Moderator fordert die Berater zum nächsten Schritt auf.

Regel: Nur der Fallgeber äußert sich! Die Berater nehmen seine wichtigen Informationen auf und bedenken sie im Hinblick auf den nächsten Schritt, in dem wieder ihre Ideen gefragt sind.

Zeitraum bei
'face-to-face': 5 Minuten

6. Schritt: Sammeln von Lösungsvorschlägen

Jetzt sammeln die Berater Lösungsvorschläge, die sie dem Fallgeber mitteilen. Er soll sich darauf konzentrieren alles aufzunehmen, was den Beratern zu seiner Situation einfällt und geht selber darauf erst im nächsten Schritt ein.

Der Moderator leitet zum nächsten Schritt über, wenn die Berater ihre Beiträge abgeschlossen haben. Kurze Nachfrage bei den Beratern!

Regel: Nur die Berater äußern sich ! Der Fallgeber achtet auf die Lösungsvorschläge, auf die er im nächsten Schritt reagiert.

Zeitraum bei
'face-to-face': 10 Minuten

7. Schritt: Rückmeldung

Der Fallgeber teilt den Beratern mit, welche Lösungsvorschläge ihm wichtig geworden sind und er für sich verwenden will und teilt dem Moderator mit, dass seine Rückmeldung abgeschlossen ist.
Der Moderator fordert alle Gruppenmitglieder zum nächsten Schritt auf.

Regel: Nur der Fallgeber äußert sich!

Zeitraum bei
'face-to-face': 5 Minuten

8. Schritt: Allgemeiner Austausch

Alle Gruppenmitglieder tauschen sich über die angedachten Lösungen und die Rückmeldungen dazu aus, sodass Lösungsvorschläge unter Umständen noch einmal verdeutlicht werden können, die nicht an "erster Stelle" stehen. Ferner besteht hier z.B. die Gelegenheit, erste konkrete Lösungsschritte zu planen.

Der Moderator stellt das Ende dieses Schrittes fest (z.B. weil er sieht, dass sich alle geäußert haben) und leitet zum nächsten Schritt weiter.

Zeitraum bei
'face-to-face': 10 Minuten

9. Schritt: Abschlußrunde - Sharing

Jetzt erst teilen die Berater (somit auch der Moderator) eigene Erfahrungen zum Fall mit. Jeder kann kurz berichten, wo er schon einmal selber Erfahrungen mit einem ähnlichen Problem hatte. Dies macht dem Fallgeber deutlich, dass er mit seinem Fall nicht allein ist und ermöglicht den Beratern, sich von Anfang an auf den eingebrachten Fall zu konzentrieren.

Der Moderator beendet diesen Schritt ( z.B. weil er sieht, dass sich alle geäußert haben), und leitet zur Schlussrunde weiter.

Zeitraum bei
'face-to-face': 5 -10 Minuten

 

10. Schritt: Meta-Runde - Feedback

Jetzt ist z. B. Gelegenheit für den Fallgeber sich bei den Beratern zu bedanken und/oder Rückmeldung an den Moderator für die Leitung zu geben.
Die Gruppenmitglieder können sich dazu äußern, ob sie in dieser Gruppe noch einen weiteren Fall bearbeiten wollen. Benennen Sie dazu bitte Ihr Interesse, wenn Sie selber einen Fall einbringen wollen oder wenn Sie die Moderation für einen anderen Fall übernehmen wollen.

Wenn Sie in der Gruppe weiterarbeiten wollen, hat der Moderator noch folgende Aufgabe:

Vereinbaren Sie mit den Gruppenmitgliedern,
wer einen neuen Fall einbringt und dazu einen neuen Raum eröffnet.

Zeitraum bei
'face-to-face': 10 Minuten

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