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Heilsbronner Modell zur kollegialen Beratung

Das Heilsbronner Modell

ist über verschiedene Entwicklungsschritte in der Arbeit mit Studierenden und aus der Praxis berufstätiger Kolleginnen und Kollegen im Bildungsbereich entstanden. Differenzierte berufliche Erfahrungen und Beratungsansätze haben zu diesem -psychoanalytisch fundierten-Modell geführt (1), mit dem seit 1985 in unterschiedlichen beruflichen Kontexten erfolgreich vor Ort gearbeitet wird. Kollegiale Beratung ist in der betrieblichen Personalentwicklung im Profit- und Non-Profitbereich etabliert. (2)

Seit 2005 ist kollegiale Beratung auch als Online-Beratung verfügbar, gut evaluiert und konzeptionell fundiert (3). Die Internetplattform www.kokom.net gewährleistet gut geschützte, vertrauliche Online-Räume und unterstützt dort den Prozess der Beratungsgruppen, Schritt für Schritt.

Anlässe und Ziele

Langstreckenläufer müssen lernen mit ihrer Einsamkeit umzugehen. Ein Berufsleben braucht etwas von der Ausdauer eines Langstreckenläufers. Ob wir dabei einsam werden, hängt von uns ab. Jeder kennt im Berufsleben die Phasen, in denen Resignation vorherrscht, die Ideen ausgehen, die Probleme sich häufen - aber auch die erfreulichen Zeiten, in denen die Ideen sprühen.

Viele Menschen arbeiten oftmals alleine mit anderen Menschen. Manche stehen vor Schulklassen, arbeiten in Kindergartengruppen und Horten, andere begegnen Menschen am Bankschalter oder an der Rezeption usw. Auch die Vorbereitung geschieht häufig allein. Aus dieser Situation heraus sollen etwa Prozesse der Projektarbeit initiiert und gesteuert werden. zehn-schritte-im-HB-Modell-onlineTeamarbeit beim Lernen und in verschiedensten beruflichen Kontexten erfordert die Steuerung differenzierter Kompetenzen, welche von verschiedenen Menschen eingebracht werden.

Kollegiale Beratung profitiert von solchen Erfahrungen, fördert Kollegialität und schafft Solidarität. Sie verhindert Einsamkeit,  bringt Entlastung, klärt Probleme und fördert vorhandene Kompetenzen, fordert und fördert den fachlichen Diskurs. Beruflichen Alltagsprobleme der Gruppenmitglieder liefern die Themen zur Arbeit in der Gruppe, vor allem Interaktions-, Beziehungs-, Persönlichkeits- und Institutionsprobleme, die das Berufsfeld eines Teilnehmers oder einer Teilnehmerin bestimmen.

Zur kollegialen Beratung gehört die Selbsterfahrung.
Der Beratungsprozess in der Gruppe dient der Bewältigung und Veränderung des Alltagslebens in einer Institution. Dazu müssen psychologische, soziologische und pädagogische Ansätze in die Analyse und zur Bearbeitung aufgenommen werden. Im Verlauf der Beratung leisten die Gruppenmitglieder dazu ihre Beiträge. Kollegiale Beratung vermeidet daher, Problemstellungen etwa nur als individuell-persönliche Unzulänglichkeit des einzelnen Gruppenmitgliedes zu sehen. Es geht also z.B. nicht um „Problemschüler an sich", sondern um „Problemschüler für mich".

Zum anderen meint Selbsterfahrung auch die Ebene der Bearbeitung des Falles in der Gruppe, wobei der vom Berichtenden ausgelöste Gruppeninteraktionsprozess für ihn das zentrale Erfahrungsfeld wird. Jeder lernt also auch etwas über sich selbst, durch die Art und Weise, wie er in der Gruppe und wie die übrigen Teilnehmenden mit ihm und untereinander agieren.

Diese Re-Inszenierung des Falles in der Gruppe wurde erstmals 1954 vom M.Balint in der Weiterbildung (4) von Ärzten genutzt; im Heilsbronner Modell tritt die durch die Moderation umgesetzte Struktur des Leitfadens mit seinen zehn Schritten an die Stelle des externen Leiters.

Kollegiale Beratung zielt so auf eine differenziertere Wahrnehmung des eigenen Verhaltens, eigener und fremder Gefühle, Impulse, Reaktionen, Phantasien und der unbewussten Anteile in einer Problemsituation, will verborgene Erwartungen, Ziele, Beweggründe etc. bewusst machen. Denn eine realitätsgerechtere Einschätzung des eigenen Verhaltens und der eigenen Möglichkeiten ist Voraussetzung für die Entwicklung eines umfangreichen Verhaltensrepertoires, das einer Problemlösung in schwierigen Fällen beruflichen Handelns angemessen ist.

Kollegiale Beratung - praktisch

Die Teilnahme an der kollegialen Beratung setzt eine aktuelle Tätigkeit voraus. Die Gruppe als Sozialform ermöglicht - gegenüber dem Einzelgespräch - stärkeren Rückhalt, größere Solidarität durch gemeinsame Betroffenheit und eine reichere Bandbreite in der Fallbearbeitung.

Berufsbezogenen Probleme werden nicht als ein für alle Teilnehmenden gleich formuliertes Thema bearbeitet, sondern durch das Berichten und Bearbeiten eines Falles, den ein Gruppenmitglied vorstellt. Jede Sitzung nimmt ihren Ausgang von der subjektiven Betroffenheit eines Mitglieds, durch eine Situation aus dem beruflichen Alltagsgeschehen, die - als Fallbericht eingebracht - Thema und Interaktion der Gruppe bestimmen.

Die Anwendung des Heilsbronner Modells nützt einen Leitfaden, der alle Beteiligten in zehn Schritten durch eine kollegiale Beratung führt. Die Umsetzung der präzisen Aufgabenstellungen in jedem Schritt und Empfehlungen  erleichtern die Zusammenarbeit und unterstützen den Beratungserfolg. Drei Rollen strukturieren dabei die Zusammenarbeit in der Beratungsgruppe: Leitung, Fallgeber und Berater.

Einübung in die Beratungspraxis schafft Vertrautheit in der Gruppe und lässt die zehn Schritte als sinnvolle und entlastende Führung erleben. Durch die gemeinsame Einübung entdeckt jede und jeder eigene Spielräume für mögliche Assoziationen, Phantasien u. ä. Es ist wichtig, sich an die Reihenfolge der Schritte zu halten, um nicht gleich zu Beginn „Lösungen" einzubringen, die nur vorgreifen würden.

Der Zeitpunkt über Lösungen nachzudenken ist bewusst an das Ende gestellt, um einer Lösung nahe zu kommen, die dem entspricht, der den Fall eingebracht hat. Dazu gehört auch, dass das Erinnern eigener Beispiele („Das habe ich auch schon erlebt!") am Ende steht, weil dies sonst eine „echte Lösung" nur verhindern würde. Der eingebrachte Fall soll im Mittelpunkt stehen, so dass erst am Ende ähnliche individuelle Erfahrungen ausgesprochen werden. Diese Reihenfolge schafft größere Anteilnahme und Solidarität. Eine Gruppengröße von drei bis sieben Personen ist hilfreich.
Alles, was in der Gruppe ausgesprochen wird, unterliegt der Verschwiegenheit, die von allen verbindlich vereinbart wird. in der Online-Beratung auf kokom.net geschieht das bereits mit der Zustimmung zu den AGB.

Kollegiale Beratungsgruppen sollten sich regelmäßig treffen. Ein Abstand von 14 Tagen erleichtert Gruppen „vor Ort" das Hineinfinden. Eine Fallberatung benötigt etwa 90 Minuten.
Online-Gruppen sollten eine verbindliche Reaktionszeit auf das Eintreffen neuer Beiträge im Beratungsraum vereinbaren- vorzugweise zumindest einmal täglich.  Eine Fallberatung ist so in zwei bis drei Wochen gut zu bewältigen; längere Reaktionszeiten lassen den Prozess schwerfällig werden.

So kommt der eingangs erwähnte Langstreckenläufer wieder ins Bild, mit dem Versuch, die Einsamkeit zu überwinden. Allen beruflichen Langstreckenläufern und Langstreckenläuferinnen wünschen wir viel Erfolg und Freude beim Training mit der kollegialen Beratung; das Handbuch dazu (2012) finden Sie -> hier.

Gerhard Spangler & Wolfgang Schindler


(1)   Spangler, G. (2012) Kollegiale Beratung. 2. Aufl. Nürnberg: mabase.

(2)   Bergel, Stefanie (2004), „Kollegiale Beratung: Coaching durch Kollegen". managerSeminare, Heft 81, November/Dezember, S.38-4

Gloger, Axel (2013): Gut beraten ohne Berater. Peer-to-peer consulting. ManagerSeminare 2013(182), 74-78

Scholer, Stefan (2014): Kollegiale Beratung: Nachhaltig lernen und dabei die Perspektiven wechseln, Wirtschaftspsychologie aktuell 3/2014, S. 30-36

(3)   Arnold, P. (2012) Wirksamkeit von Online-Beratung - was sagt die Forschung.
in: Spangler, G. (2012) Kollegiale Beratung. 2. Aufl. Nürnberg: mabase, S. 76-89

(4)   Michael Balint (2001): Der Arzt, sein Patient und die Krankheit. 10. Auflage, Stuttgart: Klett-Cotta

 


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