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Grundlagen der Onlineberatung

"Aus fachlicher Sicht ist Beratung durch Internet und Computer nicht möglich."
Auch heute sind solche Mutmassungen aus vermeintlich berufenem Munde noch gelegentlich zu hören. Der gleiche Mund hätte vor hundert Jahren darauf geschworen, dass Telefonseelsorge nicht möglich sei.

Grundlagen

Kommunikation und Beratung, vermittelt durch Telefon oder Internet, finden in Online-Räumen statt - die Gesprächspartner haben andere, eingeschränkte Möglichkeiten sich auszutauschen, einander wahrzunehmen. "Kanal-Reduktion" nennt das die Kommunikationsforschung. Das Telefongespräch eines Paares etwa bietet andere Möglichkeiten als ein Miteinander beim Spaziergang. Kommunikation, Beratungsgespräche zwischen Menschen unterscheiden sich, je nach gewähltem Medium. Jede Kommunikationsform hat ihre Grenzen und Chancen: Nicht gesehen zu werden beim Gespräch wird z.B. beim Telefonieren oft geschätzt. Die Partner nutzen den Schutz, den das technische Medium bietet und können dadurch u.a. mehr Offenheit wagen.
Doch m Zeitalter von messenger-Apps ändern sich auch hier die Präferenzen. (4)

Als etabliertes Medium wird das Telefonieren mit seinen spezifischen Eigenschaften intuitiv genutzt, mediengerecht. Kommunikation in Online-Räumen, in Internet-Foren und Chat-Räumen ist vergleichsweise weniger vertraut, aber keineswegs nur eine Sache für junge Menschen. Diese Kommunikation ist genauso "real", genauso wirklich, wie ein Gespräch "unter vier Augen". Der Unterschied liegt in der leibhaftigen An- oder Abwesenheit der Partner am selben Ort. Werden statt Chat-Räumen Foren genutzt, entfällt sogar die Notwendigkeit, zur selben Zeit zur kommunizieren - das bremst die Geschwindigkeit der Kommunikation: eine Grenze, aber auch eine Chance zu vertieften Aussagen, die kokom.net nutzt.

Computergestützte Kommunikation

birgt ein hohes Potential an Kommunikation und kommunikativer Dichte. Das zeigen empirische Untersuchungen Nicola Dörings zur Gestaltung von sozialen Beziehungen im Netz. (1) Computervermittelte Kommunikation sei sogar persönlicher als Face-to-face - Kommunikation, so ihr -nur anfänglich überraschendes- Fazit. Denn drei Faktoren seien dafür ursächlich: geringere Identifizierbarkeit führe zu geringerer Bewertungsangst; physische Isolation zu gesteigerter Aufmerksamkeit für eigene Gefühle; schriftlicher Ausdruck, verbunden mit Editierbarkeit, führe zu gesteigerter Explizierung. (Grafik)

Distanz führt zu mehr Nähe

Jüngere psychologische Studien (2013) zu Auswirkungen computervermittelter Kommunikation (getrennt lebender Paare) belegen erneut eindeutig, dass die Bereitschaft, sich zu öffnen, übers sich zu sprechen, Gefühle zu zeigen („Selbstoffenbarung") zunimmt, wenn die Gesprächspartner a-synchron, textbasiert und mobil miteinander kommunizieren - anders als bei Gesprächen ‚face-to-face', über Telefon oder Skype.
Das passt zu den Ergebnissen früherer Studien (1996, 2002), wonach a-synchrone, textbasierte Kommunikation zu verstärkter Selbst-Explikation führt und zum Bemühen, Unsicherheiten in der Kommunikation zu vermindern. (2)

M. Petzold fasst im "e-BeratungsJournal" zusammen: "Die besondere Art der Internet-Kommunikation kann am besten als verschriftete Mündlichkeit in Gesprächsform (= Oraliteralität) verstanden werden" und "Die Vorteile der textbasierten Kommunikation können in der Beratung via Internet sehr gut genutzt werden". (3)

Ebenso liegen bereits seit 2003 erste Beschreibungen von Kompetenzprofilen qualifizierter Online-BeraterInnen vor.  Mehr dazu hier

Facit:
Erfahrungen und Prozesse in virtuellen Räumen sind genauso real wie die Gruppendynamik in einem Klassenraum, nur eben punktuell signifikant anders. Voraussetzung dafür ist, dass die virtuellen Räume, die sogenannte "Plattform" die Kommunikation untereinander ermöglicht und fördert. Auf diesen Erfahrungen haben wir, ein Team professioneller Berater und Supervisoren, das Institut und die Beratungsplattform "kokom.net" gegründet und mit erfahrenen Programmierern als vertraulicher und geschützer Ort im Netz gestaltet.



Anmerkungen:
(1) Nicola Döring, "Gestaltung von sozialen Beziehungen im Netz", unveröffentlichtes Vortragsmanusskript, MaC*_plus-Fachtagung, 6.–7. November 2002 in Josefstal (siehe auch: Grafik
sowie ihre Dissertation : Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen; Göttingen 1999, insbesondere: S. 209 ff)

(2) Jing, C. und Hancock, J "Absence Makes the Communication Grow Fonder: Geographic Separation, Interpersonal Media, and Intimacy in Dating Relationships, 2013
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcom.12029/full

(3) Matthias Petzold, "Psychologische Aspekte der Online-Kommunikation", in: e-beratungsjournal.net,  2. Jahrgang, Heft 2, Artikel 6 – September 2006

(4) Elisabeth Rank, "(Don't) pick up the phone: Warum es so viele Menschen hassen zu telefonieren", in:  www.wired.de/collection/life/haben-wir-das-telefonieren-verlernt (22.10.2015)


Literatur-Hinweise:

Ergebnisse der Forschung zur Kommunikation in virtuellen Räumen und Links zu einschlägigen Fachgesellschaften  bietet laufend und aktuell das e-beratungsjournal.net, ein unabhängiges wissenschaftliches Fachinformationsmedium für Online-Beratung und computervermittelte Kommunikation.

Eine Zusammenstellung ausgewählter Zitate in Forschungsergebnissen einschlägiger Studien ist
hier zum Download verfügbar.